Die 100km von Biel 2008
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Die 100km von Biel Herausforderung und Faszination
Die 100km von Biel - Herausforderung und Faszination
Unter Marathonläufern in halb Europa gibt es den ultimativen Spruch: "Einmal im Leben mußt du nach Biel!"
In diesem Jahr gab es in der Schweiz das 50. Jubiläum
des ältesten noch bestehenden Ultralaufes in Europa. Als Ultra werden alle Läufe mit Streckenlängen jenseits der Marathondistanz von 42,195km bezeichnet.
Andreas Backhaus und Marco Domine hatten schon
mehrfach mit Erfolg in Biel teilgenommen und bei den
Ihleläufern die Werbetrommel gerührt. Schließlich gaben Karsten Pinno und Holger Müller ihr o.k. für eine Teilnahme. Und da man sich bei Training und Wettkämpfen immer mal über Laufvorhaben unterhält, gingen mit Sandy Enke aus Schermen und Uwe Nawrocki aus Hohenwarthe noch zwei Sportler aus dem Jerichower Land an den Start.
Und so stand man um 22.00 Uhr mit Einbruch der Dunkelheit gemeinsam am Start für die vom Sprecher
angekündigte "Nacht der Nächte". Gänshaut pur bei
etwa 2800 Läuferinnen und Läufern über die 100km. Es werden noch einige Witze gerissen, aber insgesamt sieht man doch viele angespannte Gesichter. Zu viele Unwägbarkeiten gibt es bei einer so langen Strecke:
Waren es genug Trainingskilometer? Kommt in der Nacht die Müdigkeit? Halten Muskulatur und Magen der Belastung stand? Wie wird das Wetter und ist man in jeder Situation richtig angezogen?
Dann der Startschuß für eine einzige große Runde. Am Anfang für 5km ein Citylauf durch Biel mit vielen Zuschauern. Dann geht es hinaus in die Dunkelheit, die ersten Stirnlampen werden eingeschaltet, einige begnügen sich mit dem Mondlicht. Der erste Anstieg kommt schon bald, nur nicht am Anfang mit dem Tempo überziehen. Insgesamt werden es ca. 350 Höhenmeter sein, da sind wir von Rennsteig und Harz anderes gewöhnt. Aber so flach wie in Burg und Umgebung ist es nun auch wieder nicht. Zum Glück "verschluckt" die Nacht manche Steigung und endlos lange Gerade, man rollt sich so langsam ein. In einer Kurve ein Blick zurück, eine endlose Lichterkette liefert ein grandioses Bild, persönliche Coaches auf Fahrrädern sind nach 20km dazu gekommen. Wir kommen ohne aus, Verpflegung und Getränke sind ausreichend, für jeden etwas dabei.
Marco, Andreas und Sandy laufen das gesamte Rennen gemeinsam, ein toller Teamgeist, weil jeder zu einer anderen Zeit Stärken und Schwächen zeigt. Karsten als unser Jüngster läuft vorn, nach dem Trio finden Uwe und Holger immer andere Mitstreiter. Ein neuralgischer Punkt sind die 56km in Kirchberg, man könnte dort mit offizieller Zeitmessung aussteigen. Es ist schon ein Ultra, aber noch liegt ein Marathon vor den Läufern. Es ist aber auch schon über die Hälfte und so geht es stetig weiter. Es müssen die ersten "Wanderpausen" eingelegt werden, in dieser Zeit wandern die Gedanken nach Hause zu Partner, Freunden und Bekannten. Das hilft, es drücken so viele die Daumen, da kann man doch nicht schlapp machen. Unterstützung auch an der Strecke. Es wird langsam hell, es gibt Beifall und manch einer sitzt schon wieder oder immer noch bei einem guten Tropfen Rotwein.
Nach einem langen Anstieg kommt bei KM 76 der nächste Kontrollpunkt. Bis auf die zwei erfahrenen Hasen sind die anderen vier noch nie so weit am Stück gelaufen. Sicher schmerzen die Muskeln und auch der Magen hat mitunter ein Problem mit dem Mix aus Wasser, Cola, Tee, Gemüsebrühe, Brot, Früchteriegeln, kohlenhydratreichen Gels und isotonischen Getränken. Und wer "genießt" diese Sachen sonst schon in der Nacht und am jetzt frühen Morgen? Die Sonne scheint jetzt und hier steigen wirklich nur noch die Sportler mit schwerwiegenden Verletzungen (Blasen gehören nicht dazu) und totaler Erschöpfung aus. Man hangelt sich jetzt so von Kilometer zu Kilometer.
Ein endloser, aber schöner Pfad ohne Asphalt entlang der Aare, wie gerne würde man jetzt darin ein Bad nehmen. Das Wetter hat aber gut gehalten, kein Regen und 6-20Grad Celsius.
Und dann die 95km, ab jetzt werden die Kilometer runtergezählt. Und dann erkennt man von oben das Zielgebiet und für manchen ist der letzte Kilometer der schnellste des gesamten Laufes. Und dann entlädt sich die gesamte Anspannung beim Einbiegen auf den diesmal blauen Zielteppich - das ewige Lächeln im Gesicht und feuchte Augen. Jeder wird namentlich begrüßt, Heimatland und Heimatstadt genannt.
Alle Läufer aus dem Jerichower Land sind gesund ins Ziel gekommen. Auch wenn bei einem Hunderter das im Vordergrund steht, interessieren dann doch schon wieder Zahlen:
Karsten Pinno 10h:57min 593.Platz
Andreas Backhaus 11h:35min 788.Platz
Maco Domine 11h:35min 788.Platz
Sandy Enge 11h:35min 788.Platz
Holger Müller 13h:09min 1301.Platz
Uwe Nawrocki 13h:35min 1427.Platz
Insgesamt gab es 2344 Finisher, davon immerhin 15% Frauen. Für Andreas und Marco waren es persönliche Bestzeiten in Biel.
Als Fazit läßt sich folgendes feststellen. Wer einige Marathons oder längere Läufe erfolgreich bestritten hat,
kann sich in Biel ein persönliches Erfolgserlebnis bereiten. Man kann diesen Erfolg nie hundertprozentig planen, es muß wirklich sehr viel zusammen passen.
Das Wichtigste ist aber die Vorbereitung im Kopf, denn
immer gibt zuerst der Geist auf und nie der Körper.
Diese Erfahrung konnten wir in Biel machen.
Sie gilt aber auch für Laufanfänger, Freizeitläufer,
Wettkampfläufer über 10km, Halbmarathon, Marathon oder Ultralauf.

